Stiftungsvorstand OB Rentschler mit den Preisträgern Dr. Dang und Dr. Ziegler

 

Reinhard-von-Koenig-Preis zum zweiten Mal vergeben

Alle zwei Jahre verleiht die Stiftung Schloss Fachsenfeld den mit 20.000 Euro dotierten Reinhard-von-Koenig-Preis für Fortschritt und Technik. Der Verein Freundeskreis Schloss Fachsenfeld e.V. verleiht zudem einen Nachwuchs-Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro.
In diesem Jahr 2016 geht der Reinhard-von-Koenig-Preis an Dr. Thao Dang von der Daimler AG und Dr. Julius Ziegler von der Atlatec GmbH für ihre „Bertha-Benz-Fahrt“ mit einem selbstfahrenden Auto.

Der Preisträger des Förderpreises ist Jun.-Prof. Dr. Stephan Reuter von der Universität Ulm. Die feierliche Verleihung fand am 26. Oktober auf Schloss Fachsenfeld statt.„Am Anfang steht immer ein Unikat“, stellte Stiftungsvorsitzender OB Thilo Rentschler fest und schlug damit eine Brücke zwischen dem Stromlinienrennwagen des Barons Reinhard von Koenig und der im Schlosshof stehenden „Variante 4.0“ einer autonom fahrenden Mercedes E-Klasse.

Damit haben Dr. Thao Dang und Dr. Julius Ziegler die Strecke abgefahren, die Bertha Benz 1888 bei ihrer berühmten Fahrt von Mannheim nach Pforzheim zurücklegte, um die Alltagstauglichkeit der „pferdelosen Kutsche“ zu testen.

Dr. Thao Dang, 1985 in Stuttgart geboren, studierte Elektrotechnik mit Schwerpunkt Regelungstechnik an der Universität Karlsruhe. Er absolvierte mehrere Auslandssemester, unter anderem am Massachusetts Institute of Technology – dem MIT. 2007 promovierte er mit Auszeichnung über die Selbstkalibrierung von Stereokameras. Im Rahmen seiner Promotion am Institut für Mess- und Regelungstechnik der Universität Karlsruhe nahm er 2005 an der DARPA Grand Challenge, einem Rennen selbstfahrender Fahrzeuge, teil.

Dr. Julius Ziegler wurde 1979 in Bad Godesberg geboren. Er absolvierte von 1999 bis 2006 den Diplomstudiengang Informatik an der Universität Karlsruhe und war danach wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Mess- und Regelungstechnik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Mit einer Gruppe von Forschern nahm er 2007 an der DARPA Urban Challenge teil, wo es ihr autonom fahrender VW Passat bis ins Finale schaffte.

OB Rentschler begrüßte auf Schloss Fachsenfeld besonders alle Ingenieure, alle Forscher, alle Tüftler. „Freuen wir uns gemeinsam auf die Zukunft, wenn unsere Autos nicht mehr nur Fortbewegungsmittel sind, sondern auch Aufenthaltsraum und Arbeitsraum“.
Irgendwann, sagte der Stiftungsvorstand, würden die Menschen auf unsere Zeit zurückschauen und feststellen, dass mit der Verleihung des Reinhard-von-Koenig-Preises 2016 auf Schloss Fachsenfeld an Dr. Dang und Dr. Ziegler die Zukunft schon begonnen hätte.

Die Jury würdigte die gemeinsame erfolgreiche Systementwicklung von Dang und Ziegler im Themenfeld des autonomen Fahrens. „Es handelt sich dabei um einen neuen technischen Lösungsansatz für eine gesellschaftlich relevante Herausforderung, der im Sinne des Freiherrn von Koenig auf technischen Mut gegründet ist und einen signifikanten Beitrag zu nachhaltigem Fortschritt leistet“, begründet sie ihre Wahl.

Die Laudatio für den mit 20.000 Euro dotierten Preis hielt Michael Hankel, Vorstandsmitglied der ZF Friedrichshafen AG und Jurymitglied. Ausführlich ging er in seiner Rede der Frage nach: „Ist denn Innovation überhaupt notwendig?“. Das Szenario „Nein, sie stört nur“ müsse überwunden werden. „Stellen Sie sich vor“, so Hankel, „die Menschheit stellt alle Innovationen ein. Und dann denken Sie 150 Jahre zurück.“ Dann würde schnell klar werden, dass einer dieses Szenario nicht mitmache: „Die Natur – sie entwickelt sich stetig weiter.“ Innovationen seien seit jeher Bestandteil der menschlichen Überlebensstrategie, so Hankel. „Und ich sage ganz deutlich: Umtriebig, neugierig und innovativ sein, haben wir anderen Lebewesen voraus – und es macht auch Spaß.“

Wirtschaftliche Dynamik entstehe fast ausschließlich durch Innovationen, sagte Hankel. „Wir müssen besser sein als die anderen. Und mit Verlaub: Wir sind es auch!“. In Deutschland sei Automobilgeschichte geschrieben worden – darum gehe es jetzt wieder. Hankel dankte Dr. Dang und Dr. Ziegler und sprach ihnen seine Hochachtung aus. „Sie präsentieren mit diesem Preis sehr würdig, was an Engagement, an persönlichem Einsatz nötig ist“, sagt er. Es brauche Visionen, Zielstrebigkeit, aber auch charakterliche Eigenschaften – und das passende Umfeld, schloss Hankel.